Die Wahl der Worte…

Gestern kam eine befreundete Transfrau im Tv. Natürlich habe ich mir nachträglich den Bericht angesehen. Und Grundsätzlich bin ich stolz auf Christin, dass sie alles so gut geschafft hat. Ich finde es toll, dass Transgender kein Tabuthema mehr sind und durch Berichte in den Fokus gelangen. Irgendwann sind sie dann kein „totgeschwiegendes“ Thema mehr und werden zur Normalität. SUPER.. Ehrlich

Aber ich bin so derbe über eine Aussage der Reporterin gestolpert, dass mich das Ganze ja schon wieder ärgert…
Zitat: „Dank zusätzlicher Hormontherapie kann sie heute endlich als die Frau leben, die sie immer sein wollte.“
Warum ärgert mich nun dieser eine Satz?
Nun ja, ich habe mit vielen Transgendern gesprochen. Die wachen nicht eines Tages auf und WOLLEN plötzlich ein Mann sein oder eine Frau. Die WOLLEN nicht wie durch ein Beschluss auf einmal dem anderen Geschlecht angehören.
Man wird geboren und man IST

Mein Mann wurde mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren und war und ist aber schon immer ein Mann gewesen. In seiner ganzen Art, in seinem Gefühlsleben, in seiner Denkweise. Der hat das nicht einfach so beschlossen.
Es WAR und IST so. Das der Körper dazu nicht passt ist eine andere Nummer.

Christin ist nicht vor zwei Jahren morgens aufgewacht und hat beschlossen: „Ich finde das nun doof ein Mann zu sein, ich werde ne Frau“
Nein, sie fühlte, dachte und war schon immer ein Mädchen bzw eine Frau.
Das ihr dabei, wie sie es nennt, ein Ding zwischen den Beinen im Weg war, steht auch auf einem anderen Blatt.

Mit diesem einen Wort: „wollen“ also beschließen, wird der unter Umständen Jahrzehntelange Weg der Transgender mit einem Klacks weg gewischt. Klar, spricht die Reporterin über einen Leidensweg, in einem Satz ohne näher darauf einzugehen.
Der Weg wird wertlos gemacht, weil sie ja „beschließen“ das Geschlecht zu wechseln.
Dem ist aber nicht so, man passt es nur an.
Ist im Grunde ganz einfach erklärt. Stell dir vor du wärst mit einem dritten Arm, sagen wir mal am Bauch, geboren. Bist du deshalb kein Mensch? Und trotzdem passt du deinen Körper höchstwahrscheinlich dem Empfinden an. Der dritte Arm kommt ab. Denn er war, solang du dich erinnern konntest, schon immer im Weg.
Das ist kein Beschluss, das ist ein Empfinden, ein WAR, ein SEIN.

 

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