Und mit Anlauf wieder auf die Fresse bekommen

Vor einigen Wochen wurde mein Mann aufs AMS bestellt. Es wurde ihm tatsächlich angeboten in einem Arbeitsprogramm für seelisch kranke Menschen teil zu nehmen. Es gibt Firmen in Wien, die Erfahrung mit Depressionen, Angstzuständen, Panikattacken usw haben. Diese Firmen haben keine Scheu Menschen die unter psychischen Erkrankungen leiden einzustellen. Und ja, jene stellen ein. Nicht als Leiharbeiter, nicht als Eurojobber, sondern tatsächlich. So richtig mit Arbeitvertrag, anständigem Lohn und allem, was dazu gehört. Eine davon ist ein Catering Unternehmen. Und zu dem sollte Sascha hin. Die Firme bietet noch mehr Arbeit als reines Catering. Fahrdienste, Reinigung und Büroarbeit zusätzlich zum Catering.

Und wir dachten: Endlich! Eine reelle Chance für meinen Mann in Arbeit zu kommen. Endlich jemand, der versteht, dass er schlechte und ganz schlechte Tage haben kann. Endlich jemand, der auch die guten Tage sieht. Jemand, der erkennt, dass man manchmal nicht kann wie man will. Endlich ARBEIT!!!

Wir waren nervös, als der Vorstellungstermin näher rückte. Das könnt ihr euch sicher vorstellen.
Als der Tag da war, bekam er mal wieder einen Tritt. Einen, den ich bis hier her fühlte. Er wurde nicht eingestellt.

An für sich ist das schon schlimm genug. Aber die Begründung hat mir persönlich einen Tiefschlag verpasst. Es tat mir so derbe weh.

„Ich weiß nicht, in welche Umkleidekabine Sie gehen sollen. Ich kann sie nicht einstellen“

Sascha, seit 2010 eingetragener Mann, rein optisch ein Mann mit Vollbart und vieler Körperbehaarung.

Er wurde nicht eingestellt, weil er keinen verdammten Schwanz hat!!!!
Als ob man in der Umkleidekabine UNTER die Unterhose schaut, ob da auch wirklich ein Penis ist.
In die Frauenumkleide kann und darf und vor allem will er nicht. Er ist ein Mann, rein optisch und absolut vom Wesen.
In die Männerumkleide darf er also nicht weil er keinen Penis hat??? Aber sonst komplett männlich ist???

Und wieder einmal mehr wurde mein Mann zur Freakshow. Ich könnte heute noch heulen vor Wut.

Das ist die Diskriminierung, unter der unsere Partner leiden. Manche haben Glück wie eine liebe Freundin (MzF), die einen tollen Job hat, und auch sonst viel Glück im Leben bekam. Andere weniger, wie mein Mann.

Keiner der ihn einstellen mag, weil es eben mit der Umkleidekabine nicht passt? Wie hirnrissig ist denn das? Sollte es bei Arbeit nicht darum gehen, wie gut jemand arbeiten kann? Wie fleissig und zuverlässig jemand ist?
Diese Diskriminierung ist doch der Grund für die Seelischen Krankheiten. Diese Ablehnung, Zurschaustellung, Herabwürdigungen sind doch die Ursachen. Nur keine will das zugeben. Keiner sagt: Komm vorbei, ich will mir mal einen Transgender ansehen…

Denn diese Firma wurde vom AMS informiert, dass mein Mann einmal als geschlechtliches Mädchen geboren wurde. Sie WUSSTEN es und liesen ihn kommen, nur um ihm diesen Schlag zu verpassen.

Merken die Menschen nicht, was sie unseren Partner antun? Wollen sie nicht sehen, dass sie unsere Partner damit erneut in ein seelisches Tief katapultieren? Oder, was noch schlimmer ist, ist es ihnen egal?

Sascha hat Tage gebraucht um sich davon zu erholen. Und auch jetzt ist er noch nicht völlig auf dem Damm. Jeder Tiefschlag mehr sorgt dafür, dass es umso länger braucht, bis er sich erholt hat.
Er kann so vieles so gut. Er ist ein fleissiger Mann, zuverlässig. Und trotzdem, nur weil er FzM ist, wird er abgelehnt.
Ich finde das so traurig, so gemein und vor allem so ungerecht..
Eure Kerstin

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