Hilfe… versteht uns Angehörige

Da denken diese Transgender nun, sie haben sich zu ihrem wahren Ich bekannt und wir sollten das einfach so hinnehmen.
Für mich ist das auch einfach. Für andere weniger. Klar, sollten die Transgender erst einmal an sich und ihren Weg denken, wie sie es nennen.

 

Aber wer denkt an uns Angehörige?
Von uns wird erwartet, dass wir verstehen, akzeptieren und hinnehmen. Dabei verstehen die meisten im ersten Moment einfach so gar nichts. Wieso sollte die Frau die man liebt, ein Mann sein wollen? Man selbst ist doch gar nicht schwul…
Wieso sollte der Mann den man liebt, eine Frau sein wollen? Ist man selbst nun lesbisch?
Wieso hat man nicht gemerkt, wie kreuzunglücklich das eigene Kind ist?
War man so blind? Und vor allem, wieso vertraute uns unser Kind nicht, es uns direkt zu sagen? Was haben die Eltern nur falsch gemacht?
Warum ist die beste Freundin auf einmal ein Kerl?

 

Den Angehörigen fallen Situationen ein, die eventuell mit dem selben oder anderen Geschlecht anrüchig gewesen wären.
Man hat mit der besten Freundin in einem Bett geschlafen. Was dachte sie als sie neben einem lag? War sie da schon ein Mann? Was wollte sie da von mir?
Man hat dem besten Kumpel Dinge anvertraut, die man nie einer Frau sagen würde. War er da schon eine Frau? Was hat er dabei gedacht? Wie wird er dieses Wissen nutzen

 

Aber die entscheidenste Frage, die wir Angehörigen uns stellen ist doch wohl eher:
Kann ich der Person gegenüber noch VERTRAUEN?
Immerhin hat sie uns jahrelang etwas vorgemacht. Sie hat uns belogen und hintergangen. Sie hat UNS nicht genug vertraut, um uns klar zu sagen, was Sache ist.

 

Und damit fahren unsere Emotionen Achterbahn. Ein hin und her der Gedanken und Gefühle. Oder einfach gähnende Leere. Man fühlt sich in dem Moment wie vor den Kopf gestoßen. Manche sind zu nichts mehr in der Lage, in der ersten Zeit.
Und es werden Erwartungen gerade in dieser Zeit, wo wir selbst nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen, an uns gestellt.
Versteh doch…

 

 

Liebe Transgender
Wir WOLLEN verstehen, wir WOLLEN akzeptieren. Zumindest viele von uns. Aber wenn wir erfahren, dass unser, unter Umständen komplettes, Leben auf einer Lüge aufgebaut ist, brauchen auch wir Zeit.
Zeit zu erkennen, dass ihr deshalb kein Lügner seid. Zeit zu verstehen, dass ihr uns LIEBT, egal ob als Frau oder Mann. Zeit zu akzeptieren, dass sich nun einfach ALLES verändern wird.

 

Wir brauchen Zeit uns zu informieren, was ihr uns nach eurem Bekenntnis sicher gesagt habt. Wir waren nur nicht in der Lage, es zu hören.
Nach dem ersten Satz sind wir nämlich in ein Loch gefallen.

 

Lasst uns ZEIT, VERSTEHT, dass es für uns nicht einfach so einfach ist. Wir müssen uns, unsere Gedanken und Gefühle auch sortieren. Wir müssen verstehen. Das geht nicht in fünf Minuten, bei den meisten dauert das lange. Bei einigen wird das nie der Fall sein.

 

 

Stellt euch vor, ihr habt mit dieser Verkleidung 10, 20, vielleicht sogar 40 Jahre gelebt. Wir können das nicht einfach wegstecken und so tun als wäre nichts gewesen. Denn für diese Zeit fühlen wir uns belogen, betrogen und hintergangen.

 

Habt Verständnis für uns. Akzeptiert, dass wir begreifen müssen, dass eben nicht alles gelogen war. Das dauert ein wenig.

 

Meistens liegt unsere Enttäuschung nicht einmal darin, dass ihr Transgender seid, sondern in der Tatsache, dass wir dachten ihr würdet uns vertrauen und mit uns über alles reden. Wir sind enttäuscht, dass wir euch wohl doch nicht wirklich kannten.

 

Sehr viele werden diese Enttäuschung, das mangelnde Vertrauen der letzten Jahre in unsere Person, nicht verkraften und euch verlassen. Das passiert und daran hat keiner Schuld. Das sind diese Menschen, die es einfach nicht verkraften ihr Leben auf einer Lüge aufgebaut zu haben.
(Ich höre euch aufschreien, dass ihr nie gelogen habt. Für jene Menschen ist das jedoch anders. Sie sehen es als Lüge.)

 

Manche von denen werden nach einer gewissen Zeit zurück kommen und verstehen. Dann brauchten sie eben nur die Ruhe, um die ich oben schon gebeten hatte.

 

Und wenn wir direkt bleiben, beantwortet unsere Fragen. Egal wie schlimm und furchtbar sie sein mögen. Wenn wir nach dem warum fragen, sagt nicht, es war schon immer so. Erklärt es uns.
Wenn wir fragen ob du nun schwul oder lesbisch bist, nimm es uns nicht böse. Wir suchen Antworten die unser Kopf nicht sofort bereit hält. Habe Geduld mit uns.
Wenn wir fragen, warum ihr uns belogen habt. Sagt nicht, dass ihr es nicht habt. Denn für die Angehörigen fühlt es sich so an. Erklärt uns ruhig, dass ihr erst jetzt den Mut gefunden habt, euch zu bekennen.

 

Wir werden viel falsch machen in der ersten Zeit. Verzeiht es uns. Wir werden euch am Anfang, aus reiner Gewohnheit mit dem früheren Namen ansprechen. Das ist nicht böse gemeint. Auch wir müssen uns umgewöhnen. Das wird nicht ewig so gehen. Wir wissen, dass es euch verletzt, aber wir tun das nicht mit Absicht.

 

Wenn wir jedoch verstehen, akzeptiert und begriffen haben, werden wir mit euch gerne einkaufen gehen, Männerklamotten, Frauenschminkzeug, usw. Wir werden uns für eure neue (für uns ist sie neu) Geschlechterrolle interessieren und euch unterstützen.

 

Bitte, habt einfach Geduld mit uns. Auch wir brauchen das!

Das Versteckspiel

Ich bin ein Mensch, der sehr vieles mit sich alleine ausmacht. Ich denke viel mehr, wie ich sage. Gott sei Dank, bin ich in der Lage zig Gedanken auf einmal bis zum Ende zu denken und fasse so schneller auf wie andere und verstehe mehr.
Und so versuche ich Dir verständlich zu machen, was im Leben eines Transgenders passiert. Und zwar von je her und lange vor dem „Outing“.

Ein Baby wurde geboren. Ein kleines Mädchen. Der ganze Stolz ihrer Eltern. Natürlich machen diese es so, wie sie es selbst gelernt haben. Das Mädel bekommt hübsche Kleidchen angezogen, wird von Anfang an zurecht gemacht. Das Zimmer ist vielleicht sogar in den typischen „Mädchenfarben“ gehalten, rosa und pink.
Als das Mädchen älter wird, macht es sich schmutzig, ignoriert ihre Püppchen, spielt mit den Jungen Fußball und klettert auf Bäume. Da die Eltern das nicht verstehen, erklären sie ihrer Tochter, dass sich das für ein Mädchen nicht gehört. Mädchen sind hübsch anzusehen und vor allem leise und hilfsbereit. Das lernten die Mädchen noch vor 20 Jahren genau so. Sie stricken und sticken, sie malen und musizieren, sie lesen und üben sich im Tanz, beim Kochen und im Haushalt.
Doch genau diese Dinge interessieren das Mädel so gar nicht. Sie mag Autos, Fußball, Mathematik, Sport usw. Irgendwann stellt sie fest, dass ihr etwas fehlt. Naiv wie sie ist, wird sie ihre Mutter fragen, wieso sie keinen Penis hat. Und naiv wie Mutter ist, wird sie ihre Tochter in die Rolle der Frau einweisen. Mädchen haben sowas nicht, brauchen sie auch nicht, weil sie ja irgendwann Kinder bekommen. Sie wird wahrscheinlich als Burschikos gelten.
Das Mädel, jetzt älter, hält so gar nichts davon, dass ihr Brüste wachsen und sie Kinder bekommen soll. Eventuell bindet sie sich sogar heimlich die Brüste ab. Die Vorzüge des Kleinkindes sind weg. Nun passt sie nicht mehr zu den Mädchen, die alle nur ihr Äußeres und Modedinge im Kopf haben. Aber von den Jungs, die die selben Interessen verfolgen, wird sie als Jugendliche abgelehnt. Sie ist eben ein Mädchen.
Sie ist froh, dass sie die verhassten Kleidchen, die sie als Kind anziehen musste, nicht mehr tragen muss, weil es auch für Mädchen coole Hosen gibt und Hemden und Hoddies. Ihre Lieblingsfarbe ist sicher nicht rosa oder pink.
Sie wird ausgegrenzt von allen Seiten. Und vor allem versteht sie nicht, was „falsch“ mit ihr ist. Die Kleider, die Mädchen, die Mode, die Puppen alles fühlt sich falsch an. Sie versteht nicht, warum sie mit einem Jungen zusammen sein sollte, weil es sich für sie falsch anfühlt. Die Schuhe mit Absatz, die so gerne an einer jungen Frau gesehen werden hasst sie. Und trägt sie trotzdem. In ihrer Ausbildung sind Röcke und Blusen erwünscht und eine hübsche Frisur. Dabei wäre sie eventuell lieber Mechanikerin oder Architektin geworden. Aber das gehört sich für eine junge Frau nicht. Sie hasst ihre Berufskleidung, und zwingt sich selbst jeden Tag dazu, diese zu tragen. Unglücklich wird sie mehr und mehr.
Sie spürt von jeher, dass irgendetwas anders ist, findet jedoch nicht die Antwort darauf. Man stempelt sie als Lesbe ab, weil sie sich in Mädchen verliebt. Sie fühlt sich jedoch nicht lesbisch. Für sie fühlt es sich hetero und ganz normal an.
Und dann liest sie irgendwo etwas über Transgender. Sie informiert sich weiter und weiter. Und stellt fest: Mit ihr stimmt alles. Denn „sie“ ist ein „er“. Nur im falschen Geschlecht geboren. Das ganze erleichtert ihn nun ein wenig. Jedoch hat er noch lange nicht den Mut, darüber mit irgendwem zu reden. Für ihn erklärt es sein ganzes Leben. Es war von je her alles in Ordnung mit ihm. Trotzdem beendet er als sie diese Ausbildung um die Eltern stolz zu machen. Sie trägt Röcke und Blusen und ist über diese Verkleidung sehr traurig.
Als sie älter wird, geht sie zum Friseur, der ihr ihre verhassten langen Haare abschneiden soll. Am besten in diese eine tolle geniale Männerfrisur. Er will sich wohl fühlen, dazu passen lange Haare nicht. Im schlimmsten Fall wird sich der Friseur weigern diese tollen Haare abzuschneiden und fragt ihn, warum der denn unbedingt wie ein Mann aussehen will. Der Friseur weiß ja nicht, dass sie ein er ist. Das hat er ja selbst erst vor kurzem festgestellt.
Irgendwann fasst er sich den Mut und spricht seine Mutter darauf an.
Das Ende des Versteck spielens

 

Irgendwann wurde ein kleiner Junge geboren. Sehr geliebt von den Eltern. Natürlich sollte er als Junge aufwachsen und ein vernünftiger Mann werden. Aber schon als kleines Kind interessierte sich der Junge eher für Püppchen und Kleidchen, als für Fußball und Autos. Er war weinerlicher, ängstlicher wie andere Jungs.
Die Eltern erziehen ihn nach besten Wissen und Gewissen. Sagen ihm, dass sich all das für einen Jungen nicht gehört. Um seine Eltern glücklich zu machen spielt er eben Fußball. Kinder tun viel dafür, dass ihre Eltern glücklich sind. Er spürt ihren Stolz wenn er das Tor trifft und strengt sich äußerlich weiter an, damit sie stolz auf ihn bleiben. Den verhaßten Penis erwähnt er nicht einmal, da er ja so sein MUSS als Junge.
Damit fängt das Verkleiden an. Er verkleidet sich. Nein, nicht als Clown oder Mädchen. Er verkleidet sich als Junge.
Denn er fühlt bereits jetzt schon, dass er ein Mädchen ist. Erwähnen wird er es, nachdem die Eltern ihn in das Schema Junge gepresst haben, nicht mehr. Er spielt ihr Spiel mit. Eventuell verliebt er sich später in ein Mädchen. Jedoch nicht als Hetero, sondern es fühlt sich lesbisch an. Denn seinen Penis ignoriert er. Dieses Teil ist ihm so fremd, dass er sich nur notwendiger Weise damit beschäftigt. Sex gehört dazu, also hat er auf die Art Sex wie er aufgeklärt wurde. Vielleicht bekommt er sogar ein Kind, wird stolzer Vater. Nein, Irrtum, stolze Mutter. Doch er traut sich immer noch nicht, geprägt durch die Kindheit und der Angst alleine zu sein, irgend etwas zu sagen.
Die verkleidete Frau hat ihren Weg gemacht, durch die Schule, Ausbildung und im Job. Überall wird sie als Herr angesprochen und er weiß, tief im inneren, dass das nicht richtig ist.
Vielleicht durch das Internet erfährt er, dass er gar nicht so alleine ist. Dass sich das was er fühlt Transgender nennt.
Die erste Befreiung ist da. Nein, er ist nicht alleine. Nein, so falsch kann das nicht sein, was er fühlt. Nein, nicht ER sondern SIE.

Merkt ihr wie ich zwischen den Geschlechtern hin und her springe? Genau das passiert bei einem Transgender, der die Fassade aufrecht erhalten muss im Kopf. Er muss, dabei ist er doch sie. Dies passiert immer wieder und wieder. Es lässt sie fast irre werden.
Er hat sich informiert, Erfahrungsberichte gelesen, Filme auf you Tube gesehen. Vielleicht sogar mit jemand aus einer Selbsthilfegruppe geredet. Und nun kommt der große Tag.
Er beichtet seiner Partnerin, dass er eine Frau ist.
Sie beendet das anerzogene Versteckspiel.

DU hast die Wahl…

Wie sich das anhört… Du hast die Wahl. Aber es ist richtig. Du kannst jeden Moment des Tages wählen, wie Du mit dieser neuen Situation umgehen willst. Es ist alleine Deine Entscheidung und niemand sollte Dir da hinein reden.
Mach dir bewusst, dass dein Partner sich ändern wird. Jeder Transgender den ich kenne, hat sich verändert. Die Frau zu Mann (FzM) werden männlicher, die Mann zu Frau (MzF) weiblicher. Und das nicht nur im Aussehen. Auch ihr Verhalten wird sich ändern.

 

Während Frauen doch eher weinen, wenn sie traurig sind, werden Männer aggressiv. Das heißt nicht, dass sich ihre Aggressivität gegen Dich richtet. Mir gegenüber war Sascha nie körperlich aggressiv, manchmal verbal. Das kommt vor. Wie schon erwähnt, meistens dann, wenn er dachte ich würde nicht verstehen.

 

So wirst Du eventuell den Mann den du geheiratet hast, weinen sehen. Die Frau die Du liebst auf einmal als Macho erleben. Für Transgender ist ein eine wahre Befreiung sich nicht mehr verstecken zu müssen und keine Rolle mehr zu spielen.

 

Mach Dir ganz klar, dass sich unter Umständen der komplette Mensch verändert. Durch die „Befreiung“ kann es sein, dass Dein ach so treuer „Mann“ als Frau nun flirtet. Das tut er nicht um Dich zu ärgern. Frau will ja wissen ob sie gut aussieht.

 

Das kleine brave Hausmütterchen, dass Du kennst, wird eventuell zu einem Partymenschen, weil ER sich eben nicht mehr verstecken muss.
Dir muss klar sein, wenn Dein Partner sich als Transgender „outet“ hat er Dir die Liebe nicht vorgespielt. Dein Partner liebt Dich und hat all seinen Mut zusammen genommen um Dir zu berichten, dass sein Erscheinungsbild eine Fassade ist, die ihm von der Gesellschaft aufgezwungen wurde.
Du kannst wählen, ob Du Deinen Partner auf diesem wirklich schwierigen Weg begleiten willst.
Lass Dir von keinem einreden, der Weg wäre leicht. Ein bisschen Therapie hier, Hormone da und alles ist prima.

 

NEIN, der Weg wird steinig, hart und manchmal unerträglich schwer. Für Deinen Partner, aber und vor allem auch für Dich.

 

Viele Menschen werden NICHT akzeptieren, was da bei euch so vor sich geht. Sie werden es als Macke sehen, herunter spielen oder euch sogar als pervers verurteilen. Im schlimmsten Fall verliert Dein Partner durch das Leben seiner wahren Identität sogar seinen Job. Das ist schon vorgekommen. Deine Familie kann auf Deinen Partner sehr ablehnend reagieren und ihn nicht mehr sehen wollen. Viele werden Dir zur Trennung raten oder sich komplett von euch abwenden.

 

All diese Dinge sind mehr wie schmerzhaft. Es tut weh, die Menschen gehen zu sehen, denen man einmal vertraut hat. Es erschüttert bis ins Mark.
Und da tut sich das Loch für uns Partner auf. Wir fallen. Stehen oft alleine da.
Lass Dir von mir gesagt sein:
DU bist NICHT alleine. Als Partner können wir gemeinsam stark sein.
Es ist Deine Wahl.

Die Partner der „Betroffenen“

Wie ihr schon merkt, schreib ich etwas durcheinander. Alles der letzten Jahre in eine zeitlich korrekte Abfolge zu bringen, erscheint mir sinnlos, da sich viele Ereignisse und Begebenheiten doch überschneiden. Was ihr sucht, findet ihr in der Überschrift.

 

Heute falle ich irgendwie immer über das Wort „Betroffene“ als Bezeichnung für einen Transgender.

„Betroffen“ das hat für mich einen bitteren Beigeschmack.

Es klingt nach Ausgrenzung, Ablehnung, Krankheit, Ansteckung, Trauer, Mobbing.
Ist es das, womit man Transgender bezeichnen sollte? Ich finde nicht. Es sind Menschen die im falschen Geschlecht geboren wurden. Nicht mehr und nicht weniger. Für mich ist das, auch wenn es der Gesetzgeber als Krankheit sieht, keine Krankheit. Es sind unglückliche Umstände. Es belastet die Seele des Menschen der im falschen Geschlecht geboren ist. Und zwar exakt so lange, wie er nicht im „richtigen“ Geschlecht ankommt.

 

Wir, die Partner, dieser Menschen, werden oft noch weiter ausgegrenzt. Mir sind schon massive Beleidigungen, Drohungen und Verfolgungen angekündigt worden. Das kann uns Partner verängstigen. Sogar in die Psychatrie wollte man mich stecken, weil ich einen Transgender liebe. Von uns wird erwartet, dass wir uns trennen, den Partner auf einmal mit anderen Augen sehen und ihn verabscheuen.

 

Für Transgender gibt es Selbsthilfegruppen. Für uns nicht…. Wir sind ja „nur“ das Anhängsel.

 

Uns erklärt niemand, wie man damit umgeht, dass der Partner sich nach jahrelanger Beziehung outet. Wie wir verstehen, was in unseren Partnern vorgeht oder gar, wie wir damit leben können. Niemand macht uns begreiflich, dass es hart werden wird. So hart, dass man manchmal dran zu zerbrechen droht. Denn auch wir wollen keine „Betroffenen“ sein. Wir sind vollwertige Partner, kein Anhängsel. Und auch wir haben die Sorgen und Probleme, die andere nicht haben.

 

Wir können die stützende Kraft sein, die unsere Partner als sichere Insel vor der Außenwelt haben. Diese eine Kraft, die unsere Partner so stark macht, dass sie sich weiter trauen ihren vorbestimmten Weg zu gehen.
Wir sind jene, die sie verteidigen können, als letzte Front.

 

Leider haben wir auch die Macht, alles zu zerstören. Dies wird früher oder später in einer Trennung enden. Wenn wir nicht stark sind, wer ist es dann für unsere Partner? Die wenigsten verstehen doch, was in ihnen vorgeht. Und auch wir haben gelegentlich Probleme damit alles zu erfassen.

 

Und deshalb plagen uns Sorgen, Ängste und manchmal sogar Verzweiflung.
Deshalb schreibe ich diesen Blog. Jeden Gedanken werde ich hier festhalten. Damit ihr Partner seht, ihr seid nicht alleine.

 

Damit ihr versteht, wie ihr euren Partner unterstützen könnt, wenn ihr das wollt.
Wenn ihr Sorgen habt, schreibt mir einfach..
Eure Kerstin

Es gestaltet sich schwierig….

Es gestaltet sich schwierig….
Ich habe sehr schnell auf sehr unangenehme Art feststellen müssen, dass die wenigsten einen Trans-Menschen so nehmen können, wie er ist.

 

 

Da Sascha nun in Deutschland wohnte, suchte er auch sofort Arbeit. Im Laufe von nur 2 Jahren schrieb er über 300 Bewerbungen. In Wien hatte er als Fahrer gearbeitet, als Chauffeur und sogar als Abteilungsleiter im Hotel.
Wir wissen ja wie das in Deutschland ist: Wenn überhaupt jemand reagiert, dann mit einer Absage. Einige luden ihn zum Vorstellungsgespräch ein. Ein kleiner Erfolg, so hofften wir. Dem war aber nicht so. Als sie Sascha sahen, war es meistens schon vorbei. Ein Mensch, der im Gesicht einen Bart trägt und eindeutig männliche Züge hat, auf dem Körper einer detinitiven Frau.
Er bekam Aussagen wie: “ Wir können Sie nicht einstellen, wir wüssten nicht, in welche Umkleide wir Sie schicken sollten“, „Nein, das sorgt für Unruhe unter den Mitarbeitern“. Sascha kam nach Hause von solchen Terminen und war frustriert und wütend. Er, der im Personalausweis das „männlich“ stehen hat, sollte sogar stellenweise in die Frauenumkleide.

 

 

Als Fahrer wäre das ja eigentlich egal gewesen. Man kann sich zu Hause umziehen. Die Chefs sahen das anders. Er wurde begafft, wie die Tiere im Zoo.
Er rutschte erneut in ein Loch. Da er schon Jahre depressiv war, tat sich da der Boden auf. Er durfte nicht arbeiten. Nutztlos für die Gesellschaft, nur weil er im falschen Körper lebt. Ich stand da und sagte ihm, dass diese Gesellschaft verbohrt ist und nur nach außen den Schein der Toleranz trägt. Ich war und bin jedoch davon überzeugt, dass er wertvoll ist. Dieses Gefühl vermittel ich ihm jeden Tag. Es sind die Kleinigkeiten, die wir Partner tun können. Gerade die sind immens wichtig.Ich behaupte nicht, dass es einfach wäre, einen Partner zu haben, der angefeindet wird. Aber es schweisst auf eine unglaubliche Art zusammen.

 

 

Diese wahnsinnige Ablehnung erleben Transgender ständig. Anfeindungen, Mobbing, offener Hass, offen Abscheu. All das erlebe ich mit ihm zusammen. Es tut weh, wie die Menschen auf ihn zugehen.

 

 

So haben wir beschlossen offen den Menschen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wir sagen klar, dass wir ein Paar sind und dass er Transgender ist. Jedem dem dass nicht passt, haben wir aus unserem Leben aussortiert.
Er hat im Alltag so viele Probleme, dass wir privat da so gar keine mehr wollen. Menschen die ihn mit einem Namen ansprechen, von einer Person, die er nicht ist wollen wir gar nicht mehr sehen.
Es lässt sich nicht immer vermeiden, dass wir erklären müssen. Oder uns in der Notwendigkeit sehen zu erklären, aber das stehe ich durch. Er ist davon schon so genervt, dass dieser Part nun der meine ist.

Jeder hat eine Geschichte… Hier ist unsere

Das Kennenlernen
Ich lernte Sascha, meinen Partner, online kennen. Das tun mittlerweile viele und es ist sicher nicht mehr ungewöhnlich. Ungewöhnlich war eine der ersten Dinge die er mir „beichtete“. Er schreib drei einfache Worte und erwartete wohl, wie immer in seinem Leben, damit auf Ablehnung zu stoßen oder zumindest auf Unverständnis und tausende Fragen. Er schrieb:“Ich bin Transgender“. Mit meiner Antwort hat er nicht gerechnet. Denn die lautete:“ ja, und….?“
Wie bekommt man einen Mann sprachlos? Man akzeptiert ohne zu Fragen, ohne zu urteilen.

 

Nach Wochen in denen wir schrieben fragte er mich dann doch einmal, ob mich das nicht genauer interessiert oder ob ich einfach nur gleichgültig wäre. Für mich stand fest, wenn er im falschen Körper ist, ist das eben so und dann muss man das ändern. Ich bin sehr frei in meinem Geist und nur wenig eingeschränkt. In der Zwischenzeit habe ich mich dann noch genauer informiert.

 

 

Er ging nie ins Voice, weil seine Stimme kieckste. Zwei Jahre insgesamt vergingen, bevor wir uns sahen. Schon in dieser Zeit lernte ich die Marotten und Eigenheiten von Sascha kennen. Er war gelegentlich sehr labil. Wie sich herausstellte, immer dann, wenn er mal wieder in seiner Heimat, unter seinen Freunden und Bekannten und vor allem in seiner Familie auf Ablehnung stiess. Das fing von blöden Fragen an wie: „Wieso willst du ein Mann sein, du bist doch so ne hübsche Frau? Vielleicht brauchst du ja nur neue Medikamente?“ und ging bis zu: „Nein mit dir will ich nichts mehr zu tun haben. Ich habe eine Schwester, keinen Bruder.“

 

 

Alles sehr verletzend. Vor allem für ihn. Ich, die bis dahin einfach nur befreundet mit ihm war, war eine der wenigen, die alles genau so akzeptierte, wie es war. Er befand sich in einer Art „Stimmbruch“. Wie es bei pubertären Jungs der Fall ist. Durch die männlichen Hormone vergrößert sich der Kehlkopf und so kommt dies zu Stande. Als Online-Dj der er ebenso war wie ich, machte er keine Ansagen. Er fürchtete sich vor dem Spott der Leute, wenn seine Stimme kippte.

 

Durch seine Launen stritten wir die erste Zeit sehr oft. Er war wankelmütig und voller Misstrauen. Da er in der realen Welt immer mehr und mehr angefeindet wurde, traute er auch online keinem mehr. Sein Misstrauen verletzte mich oft. Er hinterfragte alles, was ich von mir gab. Er war verletztend in seinem Misstrauen. Er wurde verbal aggressiv, wenn er dachte, ich würde nicht verstehen. Aber er war nie ausfallend in seiner Wortwahl. Ich denke heute, meine Akzeptanz kam bei ihm wie Desinteresse an.
Hinter all seinem negativen Verhalten sah ich jedoch einen zu tiefst erschütterten und verletzten Menschen. Einer, der mürbe war vom vielen kämpfen.
Und so entstand unsere Freundschaft…

 

 

Zwei Jahre nach unserer ersten Onlinebegegnung kam er dann zu mir nach Deutschland. Ich war von Kiel in die Pfalz gezogen und er lebte in Wien. Er besuchte mich und wir verstanden uns auf in der Realität super. Einige Monate später zog er bei mir ein, und wir wurden ein Paar. Meine Tochter hatte auch absolut kein Problem damit, dass Sascha zwar vom Gesicht her aussah, wie ein Mann, aber der Rest des Körpers nicht dazu passte. Sie war damals schon 16 Jahre alt und wurde von mir ebenso frei erzogen, wie ich es mir angeeignet hatte. Wir zwei waren wohl die einzigen seiner Familie, Freunden und Bekannten, die nie ein Problem damit hatten, wie ich im Laufe der nun folgenden Jahre feststellen musste.

 

Mühevoll suchten wir Ärzte, die den Hormonspiegel kontrollieren konnten, die sich mit seinen Krankheiten auskannten. Vor allem wurde die Suche nach einem Frauenarzt sehr schwierig. Er benötigte ja die Hormonblocker. Ein Gelbkörperhormon sorgt dafür, dass FzM keine Periode mehr bekommen.
Er wurde oft abgewiesen, in der Annahme, ein Mann bei einem Frauenarzt wäre nicht gern gesehen und würde für Unruhe sorgen. Das wurde Sascha auch am Telefon gesagt. Dies ist eines der Dinge, die ihn deprimieren. Ich bin jedoch ein hartnäckiger Mensch und so fanden wir eine nette Frau, die sich mit dem Thema so gar nicht auskannte, jedoch Sascha untersuchte und ihm dieses Geldkörperhormon verordnete. Die anderen Medikamente mussten vom Hausarzt verordnet werden. Dazu gehört auch das Testosterongel, dass Sascha für die männlichen Hormone benötigt. Ich nahm ihn mit zu meiner Hausärztin und sie hörte sich an, was er zu sagen hatte. Natürlich bekam er sein Medikament.
Sascha fand es merkwürdig, dass man in Deutschland so leicht an Medikamente kommt, im Vergleich zu Wien.
So startete unser gemeinsames Leben.